LEGA-GENIES


04 May
04May

Was haben Agatha Christie und Albert Einstein gemeinsam?

Sie waren beide Legastheniker! Hättest du das vermutet?

Also kein Grund zur Panik, wenn dein Kind Probleme beim Erlernen des Schreibens und Lesens hat. Es hat nichts mit Intelligenz zu tun, im Gegenteil sie sind oft überdurchschnittlich begabt und haben in technischen und kreativen Bereichen außerordentliches Talent.

„Lega-Genies“ ist doch ein viel passenderer Ausdruck (ich habe ihn irgendwann mal im Internet gelesen und finde die Bezeichnung genial).

Es ist verständlich, dass du dich zunächst einmal verunsichert und ratlos fühlst, du auch Angst um die Zukunft deines Kindes hast. Ich möchte dir daher Wege aufzeigen, wie auch du dein Kind sinnvoll unterstützen kannst.

Die drei oder noch besser die vier tragenden Säulen eines erfolgreichen Legasthenietrainings sind daher

  • das Kind
  • die Eltern
  • der/die TrainerIn
  • der/die LehrerIn (im besten Fall


Lesen und Schreibern besteht aus vielen Einzelschritten, die dein Kind bewältigen muss und das bedeutet für viele Schwerarbeit.

Schreiben wir mal das Wort „Hase“:

  1. Man muss das Wort „Hase“ hören.
  2. Das Wort muss in Laute (nicht in Buchstaben!) zerlegt werden.
  3. (h)  (a)  (s)  (e) – diese Laute hört man.
  4. Nun muss man wissen, wie die Buchstaben für die entsprechenden Laute aussehen.
  5. Die Buchstaben werden nun niedergeschrieben.
  6. Auch die Rechtschreibregel muss beachtet werden – in diesem Fall Großschreibung bei Nomen

Nun gehen wir zum Lesen des Wortes „Hase“:

  1. Das geschriebene Wort muss mit den Augen erfasst werden.
  2. Es müssen die einzelnen Buchstaben wahrgenommen werden.
  3. Den Buchstaben muss der passende Laut zugeordnet werden.
  4. Die Laute müssen nun zu einem Wort verbunden werden.
  5. Das Ergebnis wird mit dem Wortspeicher im Kopf abgeglichen.
  6. Es kommt das Bild des Hasen und somit das Verständnis

Du siehst zum Lesen und Schreiben brauchen wir verschiedene Teilleistungen: 

  • Aufmerksamkeit
  • visuelle Wahrnehmung und Verarbeitung à Sehen
  • auditive Wahrnehmung und Verarbeitung à Hören
  • Lautidentifizierung
  • Laut-Buchstaben-Zuordnung
  • Buchstaben-Laut-Zuordnung
  • Gedächtnis
  • Wortkenntnis/Wortbild


Ich möchte dir daher zunächst einmal 3 Tipps zur Steigerung der Aufmerksamkeit geben, die leicht im Alltag eingebaut werden können:

Achtsames Atmen

Die Augen werden geschlossen und die Hand oder die Hände werden auf den Bauch gelegt. Nun tief durch die Nase einatmen und spüren wie sich der Bauch langsam hebt. Danach wieder ausatmen.

Das Atemintervall ca. 3-4 Mal durchführen.

Beim Einatmen kann sich dein Kind vorstellen, dass es z. B. den Duft seiner Lieblingsblume einatmet. Jüngeren Kindern gefällt auch die Vorstellung, „Feenstaub“ oder „Zauberpulver“ einzuatmen und dann auszupusten. Frag dein Kind, welche Vorstellung ihm am besten gefällt, umso mehr macht ihm dann auch die Atemübung Spaß. 

Den Bauch kann man sich als Luftballon vorstellen, der sich durch das Einatmen aufbläst. Beim Ausatmen kann es sich vorstellen, wie es die Kerzen auf seiner Geburtstagtorte ausbläst. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt! 

Noch ein Hinweis: Zähl beim Ein- und Ausatmen laut mit (beispielsweise drei Sekunden ein- und drei Sekunden lang ausatmen). Das erleichtert deinem Kind die gleichmäßige Atmung.


Einfach mal stillhalten

Diese Konzentrationsübung klingt einfach, verlangt manchen Kindern aber viel ab. Aufgabe ist es, eine festgelegte Zeit lang still zu sein und einfach nur dazusitzen. Das Still-sein-Können ist ein wesentlicher Bestandteil der Konzentrationsfähigkeit. Wähle daher zuerst eine kleine Zeitspanne, die mit der Zeit Schritt für Schritt gesteigert werden kann.

Tipp: Stell in sichtbarer Nähe eine Sanduhr auf, sodass dein Kind während des Stillsitzens das Verrinnen der Zeit beobachten kann. Sanduhren gibt es für unterschiedliche Zeitspannen (z. B. 3, 5, 10, 30, … Minuten) und in verschiedenen Ausführungen, z. B. gefüllt mit farbigem Sand.  Das Verrinnen der Zeit zu beobachten, kann die Motivation steigern. 

Natürlich kann es auch eine konventionelle Uhr mit Sekundenzeiger oder eine digitale Uhr sein. Diese haben den Vorteil, dass das Kind genau mitverfolgen kann, wie viele Minuten noch bis zu seinem letzten Rekord im Stillsitzen fehlen. Durch dieses Beobachten des Zeitverlaufs wird das Kind besonders motiviert, seinen „Konzentrationsrekord“ zu brechen.


Endlosgeschichte

Das ist ein Konzentrationsspiel für die ganze Familie und wird dir sicherlich bekannt sein.

Es soll eine endlose Geschichte erzählt werden, wobei jeder Teilnehmer ein Wort nennt, das zum vorherigen passt und einen korrekten Satzbau ermöglicht. Die vorher genannten Wörter müssen vom jeweiligen Teilnehmer für den eigenen Satz ebenfalls genannt werden.

Beispiel:

Mutter: „Ich“
Kind 1: „Ich ging“
Vater: „Ich ging zum“
Kind 2: „Ich ging zum ersten“
Mutter: „Ich ging zum ersten Mal“
Kind 1: „Ich ging zum ersten Mal alleine“
….

So haben insbesondere die Kinder viel Spaß beim Kreieren einer lustigen Geschichte, ohne dass ihnen bewusst ist, dass es sich um eine effektive Konzentrations- und Gedächtnisübung handelt.


Nun 3 Tipps um die visuelle Wahrnehmung zu fördern bzw. zu trainieren: 

  • Während eines Spaziergangs sich auf Einzelheiten fokussieren: eine Blume, einen Baum, einen Schmetterling – dein Kind soll es genau beschreiben
  • Fehlersuchbilder (lassen sich überall finden)
  • Perlen nachlegen (besonders bei Mädchen beliebt) oder Formen (Schwierigkeit steigern durch Abdecken)


Nun noch 3 Tipps für die auditive Wahrnehmung 

  • Hörübungen: deutlich 2 ähnlich klingende Wörter sprechen, z. B. „Tee“ – „See“ oder „Teller“ – „Keller“ –  Wörter, die vielleicht gerade zum Tagesablauf passen. Dein Kind soll sagen: „Diese Wörter klingen gleich“ oder „klingen nicht gleich“ oder ihr vereinbart ein Geheimzeichen, wie z. B. Daumen in die Höhe strecken, auf den Tisch klopfen, hüpfen (was deinem Kind Spaß macht)
  • Frag dein Kind am Schulweg nach Geräuschen, die es hört. Das kann eine Sirene eines Polizeiautos sein, eine Straßenbahn, das Bellen eines Hundes. Es lernt genau hinzuhören und Geräusche zu differenzieren.
  • Kofferpackspiel (Ich nehme an, das bedarf keiner weiteren Erklärung)


Du siehst, du kannst dein Kind so ganz nebenbei effektiv unterstützen und das beste daran ist, dass es gar nicht merken wird, dass es gerade „trainiert“ 😊.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren!